Season II · Session VI · SO 02. – MO 03.11.2025

Vorspiel

Der Kriegsrat · Das Haus Tremere · Köln hat bereits gewählt · Das Totenhaus
„Vielleicht hat der erste Kölner Kainiten-Krieg längst begonnen."
— die Erkenntnis am Tisch der Flora, als draußen eine Sirene durch die Nacht zieht

I. Der Kriegsrat

SO 02.11. · 01:00. Die Türen der Flora schließen sich langsam hinter dem Archonten. Und erst jetzt merkt jeder im Raum, wie angespannt alles tatsächlich war. Niemand spricht sofort. Die Musik läuft noch irgendwo im Hintergrund, aber sie wirkt plötzlich falsch. Zu normal. Zu leicht. Mehrere Ghule stehen regungslos an den Wänden. Selbst die Blood Dolls lachen nicht mehr.

Duvals Worte hängen noch immer über allem wie ein Urteil. „Oder… wir beginnen mit der Gartenarbeit."

Der Saal der Flora nach Duvals Abgang

Hunter steht am Fenster und schaut hinaus in die Dunkelheit des Botanischen Gartens. Das Whiskeyglas in seiner Hand bleibt unberührt. Krüger sitzt bereits am Tisch, Élise steht hinter ihm, die Arme locker verschränkt. Adrian bleibt demonstrativ stehen. Bran lehnt an einer Säule wie ein Raubtier kurz vor dem Sprung. Die Charaktere werden mit Blicken an den Tisch geholt. (Eingeweihte wissen aus Erfahrung: Man hat es geschafft, zu den Wichtigen zu gehören, wenn man an dem Tisch sitzt, an dem leise gesprochen wird.)

Hunter dreht sich langsam um: „Nun. Welch unerfreuliche Überraschung… Schatten aus der Vergangenheit hier erneut zu treffen, aber dennoch eine sehr erfolgreiche Diskussion, finde ich."

Ein trockenes Schnauben von Krüger: „Ein Archont steht mitten in Köln und droht offen mit einer Säuberung. Ich würde das nicht als Erfolg bezeichnen."

Hunter grinst: „Und trotzdem existieren wir noch alle." — Adrian, trocken: „Noch."

Hunter stellt das Glas ab, die Stimme wird klarer: „Also gut. Die Spielchen sind vorbei."

Jetzt schaut er jeden Einzelnen am Tisch an. „Der Sabbat bewegt sich offen in der Stadt. Die Camarilla bereitet eine Intervention vor. Und halb Köln wartet darauf zu sehen, wer zuerst die Kontrolle verliert."

Élise tritt langsam näher, vollkommen ruhig: „Paris wird keine schwache Domäne dulden. Und nach heute Nacht wird jeder Fehler doppelt bewertet werden."

Krüger nickt knapp: „Dann bleibt nur eine Möglichkeit. Wir drücken sie aus der Stadt." — Bran grinst sofort: „Endlich." — Adrian hebt leicht die Hand: „Nicht so schnell." Bran rollt genervt mit den Augen, schweigt aber.

Die Aufteilung der Stadt

Sebastian Krüger
Ruhrgebiet · Infrastruktur und Kontrolle

„Meine Leute übernehmen Infrastruktur und Bewegungsräume. Zufahrten. Industriegebiete. Logistik. Überwachung." Sein Blick geht kurz zu Hunter. „Wir brauchen Kontrolle."

Adrian Morgenstern
Frankfurt · das Gewaltmonopol

„Und wir brauchen Leute, die kämpfen können." Er tritt selbst an den Tisch. „Frankfurt übernimmt Jagdgruppen. Schnelle Einsätze. Kleine Teams. Direkte Gewalt." Der Morello ist mit seinem Team mittlerweile vor Ort im Industriegebiet in Ehrenfeld.

Bran nickt zustimmend. Naya dagegen wirkt deutlich weniger begeistert. „Wenn die anfangen, sich zurückzuziehen, wird's hässlich. Das habe ich schon mal mitgemacht — in Heidelberg." Krüger schaut sie interessiert an: „Erklären Sie." Naya verschränkt langsam die Arme: „Naja… der Sabbat verliert nicht normal. Wenn die glauben, dass sie Köln verlieren… dann reißen sie die Stadt lieber mit runter." Niemand widerspricht.

Élise Garnier
Düsseldorf · die Maskerade

Sie hebt langsam ihr Glas: „Dann müssen wir verhindern, dass Panik entsteht. Düsseldorf übernimmt die Maskerade." Ruhig zählt sie auf: „Presse. Polizei. Gerüchte. Öffentliche Narrative." Ein kleines, kaltes Lächeln. „Menschen glauben immer das, was stilvoll genug präsentiert wird."

Hunter lacht leise: „Das ist vermutlich das Toreadorigste, was ich die letzten Tage gehört habe." Élise ignoriert ihn vollständig. „Wichtig ist: Niemand darf erfahren, wie instabil die Lage tatsächlich ist."

Alle Blicke wandern jetzt zur Gruppe. Hunters Blick, ein feines Lächeln: „Ihr kennt diese Stadt… ihr habt uns momentan — wie auch immer — ausbalanciert. Und wir vertrauen eurem Urteil und euren Kenntnissen über diese Stadt." Krüger wirkt nicht begeistert, widerspricht aber nicht. Adrian nickt langsam. Élise nickt und lächelt Richtung Erich.

„Ihr habt die Informationshoheit. Ihr kümmert euch um Aufklärung. Kontaktaufnahme. Hinweise zusammentragen. Findet heraus, was der Sabbat plant — und koordiniert die Fraktionen. Oder aber habt ihr einen anderen Vorschlag?"

Der Preis der Hilfe — Jasmin

Jasmin, wo auch immer sie gerade hergekommen ist, meldet sich in der Runde zu Wort. „Was immer George euch auch anbietet…" Sie grinst verschlagen von einem Ohr zum anderen. Hunter schaut sie für eine Mikrosekunde unverhohlen verstört und wütend an, bis er die Fassung zurückgewonnen hat.

Jasmin
Malkavianerin · der zweite Boden unter jeder Abmachung

„William… habe ich George gesagt… mein Namensgedächtnis ist seit gestern etwas durcheinander… was immer William euch auch anbietet — eines muss euch klar sein:"

„Im Anschluss wird das Ruhrgebiet die Stadtverwaltung kontrollieren wollen. Kritische Infrastruktur, menschliche Regularien, Transport, Industrie, Finanzflüsse — und das auch nicht mehr hergeben. Düsseldorf wird Polizei, Presse, Medien und Öffentlichkeit kontrollieren. Frankfurt wird das Gewaltmonopol haben. Und ihr müsst alles, was in der Stadt geschieht, mit ihnen abstimmen — und dafür bezahlen."

Krüger grinst breit von einem Ohr zum anderen. Élise lächelt anerkennend und fast schon diebisch verschmitzt. Adrian sieht so aus, als ob er das Problem nicht verstünde.

Und Hunter bricht in schallendes Gelächter aus — und betont den Namen absichtlich so, als wüsste er, dass sie evtl. doch „Nammah" ist: „Jaaasmin… Aber so bekommt man Stabilität zwischen den Fraktionen, oder? Dafür wird Köln die Informationshoheit behalten… denn ich denke, sehr zum Leidwesen von Herrn Krüger haben sich seine Spürnasen auf eure Seite geschlagen… so munkelt man."

Und nun ist es an Krüger, mit dem Grinsen aufzuhören und Hunter böse anzuschauen. Hunter, freundlich: „Oder was schlagt ihr vor? Eure Stadt, eure Entscheidung… ich biete nur meine Hilfe an."

Draußen zieht irgendwo eine Polizeisirene durch die Nacht von Köln. Und für einen kurzen Moment wird allen im Raum klar:

Vielleicht hat der erste Kölner Kainiten-Krieg längst begonnen.

II. Das Haus — Richard und die Tremere

SO 02.11. · 01:30. Dann öffnen sich erneut die Türen der Flora. Zwei Männer in dunklen Mänteln betreten zuerst den Saal. Keine Hast. Präzise Bewegungen. Einer bleibt unmittelbar an der Tür stehen. Der andere scannt den Raum mit einem kurzen Blick. Dann folgen weitere. Innerhalb weniger Sekunden verteilen sich etwa fünfzehn Personen durch den Empfang — an den Ausgängen, entlang der Wände, an den Fensterlinien, zwischen den Gästen. Nicht aggressiv. Professionell.

Die Tremere betreten die Flora

Das Gesprächsniveau im Raum sinkt sofort. Hunter dreht nur leicht den Kopf. Claudia Metzger tritt ein — anders als sonst, auffälliger, die Haare streng zurückgebunden. Neben ihr geht Magister Antonius Feld, regungslos wie eine Statue, und Tiberius Karl von Hohensyburg. Mehrere Anwesende reagieren sofort: Rashid verengt die Augen, Élise wirkt irritiert, Krüger sichtbar angefressen — und Jasmin beginnt plötzlich zu grinsen.

Und vorneweg ein älterer Herr mit silbergrauem Haar, Handschuhen und einem dunklen Gehstock mit silbernem Knauf. Die Tremere-Ghule bleiben stehen wie ein Uhrwerk, das exakt an der vorgesehenen Position eingerastet ist. Der Mann lässt den Blick durch die Flora gleiten. Zu Lisa. Zu Hunter. Ein kleines Lächeln.

Hunter hebt langsam sein Glas: „Richard. Hatte mich schon gefragt, wann du auftauchst… wie immer zur richtigen Zeit." — „William."

„Da du hier ja mit Sicherheit nichts zu sagen hast…" Seine Stimme ist ruhig und trocken. „…an wen muss ich mich denn wenden, um um Aufenthaltsrechte zu bitten?" Mehrere Köpfe drehen sich sofort zu Hunter.

Hunter antwortet ohne Zögern: „Wenn du nicht wie immer zu spät kämst, um anschließend zu behaupten, du hättest die Camarilla gerettet, dann wüsstest du das selber." Einige der Tremere-Ghule spannen sichtbar an.

Richard lächelt nur müde: „Ah. Du bist also noch genauso charmant wie im 19. Jahrhundert." — Hunter: „Hast du Annette mittlerweile wieder freigelassen?"

Das trifft. Nicht hart sichtbar. Aber genug. Richard: „Du stellst noch immer dieselben langweiligen Fragen." — „Und du weichst ihnen noch immer aus."

Kurze Stille. Dann Hunter: „Ich nehme an, du bist nicht zum Plaudern aus Münster angereist." — „Nein."

Richard zieht langsam die Handschuhe aus. „Das hier betrifft das Haus. Und einige Entwicklungen in Köln sind mittlerweile so interessant geworden, dass wir sicher sind, dass sie unsere Unterstützung verdienen."

Feld bewegt sich inzwischen langsam durch den Raum, beinahe geisterhaft ruhig. Seine Finger streifen kurz über einen Tisch, dann über die Rückenlehne eines Sessels. Als würde er etwas im Raum prüfen, das sonst niemand wahrnimmt. Tiberius bleibt einige Meter hinter Richard stehen. Sein Blick bleibt einen Augenblick zu lange auf Patrick hängen.

Richard Anastasius Droste, Baron zu Weizenau-Vischering
Richard Anastasius Droste, Baron zu Weizenau-Vischering
Tremere · Pontifex Mitteldeutschlands · Regent von Münster · Ahn von Haus und Clan

„Haus und Clan haben entschieden, dass Magister Feld und Adeptin Metzger vorerst in Köln verbleiben." Claudia wirkt darüber nur mäßig begeistert. „Tiberius wird ab sieben Uhr kommissarisch zum Regent ernannt. So es den Herrschenden denn genehm ist."

Richard schaut sich fragend im Raum um. Claudia schließt kurz die Augen. In diesem Moment tritt Tiberius näher an Richard heran. Er beugt sich leicht vor und flüstert ihm einige Worte ins Ohr. Nur kurz. Sein Blick wandert zur Gruppe. „…ersuche ich um Zustimmung."

III. „Köln hat bereits gewählt"

SO 02.11. · 18:00. Hans steht am großen Tisch, das Tablet in beiden Händen — und wirkt dabei zum ersten Mal seit Langem nicht wie jemand, der Informationen sortiert, sondern wie jemand, der versucht zu verstehen, ob das, was er gerade sieht, überhaupt real ist. Er hebt langsam den Blick. Dann dreht er das Tablet herum.

Litfaßsäule am Rudolfplatz — Polizeipräsident Beck

Das erste Bild zeigt eine Litfaßsäule am Rudolfplatz. Schwarzweiß. Professionell gedruckt — keine Schmiererei, kein billiger Straßenaktivismus, sondern hochwertiger Druck auf schwerem Papier. Darauf zu sehen ist Polizeipräsident Beck. Nicht irgendein Pressefoto, sondern eindeutig eine Aufnahme seiner Leiche. Das Gesicht blass, die Augen halb geöffnet, der Blick leer und tot. Darunter, in klaren schwarzen Lettern:

KÖLN HAT BEREITS GEWÄHLT

Unter dem Schriftzug ein rotes Symbol, das auf den ersten Blick wie ein stilisiertes Stadtwappen wirkt, bei längerem Hinsehen aber eher an ein Siegel erinnert — fast wie etwas Zeremonielles. Hans wischt weiter. Die nächsten Bilder zeigen dieselben Plakate an völlig unterschiedlichen Orten: Neumarkt. Ebertplatz. Wiener Platz. Bahnhof Süd. Mülheim. Zülpicher Straße. Immer dieselbe Gestaltung. Immer dieselbe Botschaft. Nur die Gesichter wechseln.

Litfaßsäule — Merlin von Hohenfels

Merlin von Hohenfels. Zwei der verschwundenen Bauarbeiter der Kowalski BBS GmbH. Ein unbekannter Mann aus einer alten Vermisstenakte. Hans fährt sich langsam mit der Hand über das Gesicht.

„Die ersten Plakate wurden heute Morgen entdeckt. Anfangs dachte man an irgendeine kranke Kunstaktion oder an virales Marketing — aber inzwischen verbreitet sich das Zeug in der ganzen Stadt. Die Leute fotografieren die Plakate, posten sie online, machen Memes daraus und diskutieren darüber, ob das irgendein politischer Kult oder eine neue Terrorgruppe ist."

Er wischt weiter durch die Aufnahmen. Instagram-Posts. TikTok-Clips. Telegram-Kanäle. Verschwörungsvideos mit gregorianischen Chorälen im Hintergrund. Menschen filmen sich lachend vor den Plakaten, während andere darunter ernsthaft diskutieren, ob Köln „verflucht" sei oder ob es sich um Hinweise auf eine geheime Organisation handle.

Dann stoppt Hans bei einem Polizeifoto. Mehrere Beamte stehen vor einer halb abgerissenen Litfaßsäule. Einer der Polizisten übergibt sich gerade neben dem Einsatzwagen, während ein anderer einfach nur regungslos auf das Plakat starrt.

IV. Die Abreise — Duvals letztes Wort

SO 02.11. · 20:00. Im Triangle herrscht eine merkwürdige Ruhe. Der Fahrstuhl öffnet sich. Keine Eile diesmal. Die Türen gleiten lautlos auseinander. Die vier Gestalten treten heraus. Er geht ein paar Schritte hinein. Ohne Ironie. Er bleibt stehen und blickt hinaus auf die Stadt. Die Sonnenbrille sitzt noch immer auf seiner Nase, das Licht der Skyline spiegelt sich dunkel in den Gläsern. Seine Hand zieht langsam den Handschuh glatt.

Duval verlässt mit seinen Begleitern das Triangle

„Köln ist… interessant." Er lächelt leicht. Dann nickt er langsam, fast respektvoll. „Ich muss Ihnen etwas zugestehen. Als ich kam, dachte ich, Köln sei ein Chaos. Ein Machtvakuum. Eine Einladung für jedes Raubtier Europas." Eine kleine Geste durch den Raum. „Aber ich habe mich geirrt… Es gibt Struktur. Territorium. Ordnung."

„Ich kann also guten Gewissens berichten, dass sich hier eine… funktionierende Camarilla-Domäne etabliert hat — unter der kompetenten Führung von Prinz Patrick Neumann. Und das wird einigen Leuten in Paris und Berlin gefallen."

Einer der Begleiter tritt leicht zurück zur Aufzugtür. Die anderen bleiben ruhig. Der Archont sieht euch noch einmal an. Sein Blick ist jetzt kalt. „Verwechseln Sie das aber nicht mit einem Sieg." Langsam nimmt er die Sonnenbrille ab. Seine Augen sind völlig emotionslos.

Duval
Archont · im Auftrag Lucindes · der Abschied

„Eines sollten Sie verstehen. Ich habe gesehen, was hier für ein Chaos herrscht. Und sollte das zu offensichtlich werden, komme ich mit Unkrautvernichter zurück, um sämtliches liberales Gequatsche mit Stumpf und Stiel auszumerzen, damit es das Blut unserer Rasse nicht mehr verseuchen kann."

Er tritt einen Schritt zurück zum Fahrstuhl. Die Türen öffnen sich bereits. Bevor er eintritt, sieht er euch ein letztes Mal an.

„Genießen Sie Ihre Stadt. Aber vergessen Sie niemals…" Die Worte kommen fast freundlich. „Ich schaue immer wieder hin."

Dann tritt er in den Aufzug. Die anderen folgen. Die Türen schließen sich. Der Fahrstuhl beginnt lautlos nach unten zu fahren. Und plötzlich wirkt Köln wieder ein wenig… größer.

V. Das Totenhaus — Wallenbergs Anruf

SO 02.11. · 22:00. Das Telefon klingelt kurz nach Mitternacht. Nicht hektisch. Nicht panisch. Die Art Anruf, bei der man sofort merkt, dass der andere längst entschieden hat, was er sagen wird. Als Patrick rangeht, meldet sich sofort Wolfgang Werner von Wallenberg. Im Hintergrund leise Musik. Klassik vielleicht. Glas auf Holz.

Wolfgang Werner von Wallenberg
Wolfgang Werner von Wallenberg
Der Verkauf ist durch

„Patrick. Ich wollte dir Bescheid geben: Der Verkauf ist durch. Der Laden ist weg." Keine große Pause. Keine Spannung — und doch diese feine Nuance: Zufriedenheit. „Guter Preis. Sauber abgewickelt. Keine Nachfragen. Keine Risiken mehr für dich."

„Und bevor du fragst: Ja. Ich habe mich auch um deine Mutter gekümmert. Ich habe zwei Optionen prüfen lassen. Residenz am Dom — sehr diskret, medizinisch hervorragend, viele alte Kölner Familien. Oder Schloss Bensberg — mehr Luxus, mehr Parkanlage, mehr Personal, das so tut, als wäre es kein Pflegeheim." Dann trocken: „Dreißig- bis fünfzigtausend im Jahr offenbar. Ich wusste nicht, dass alte Menschen inzwischen im Abo-Modell verwaltet werden."

Danach wird er wieder ernster. „Aber deshalb rufe ich eigentlich nicht an." Man hört, wie er eine Akte umblättert. „Der Käufer… interessanter Mann. Norditalienische Kontakte. Immobilien. Kunsthandel. Diese Sorte diskreter Geldmenschen. Und als ich erwähnte, dass du aus Köln kommst, fragte er plötzlich, ob du das Totenhaus kennst."

Schon der Name bleibt unangenehm im Raum hängen. „Ich dachte erst, das wäre irgendeine gothische Bar. Ist es wohl nicht." Wallenberg atmet langsam aus.

„Angeblich ein Bestattungsinstitut. Tagsüber völlig seriös. Schwarz gekleidete Mitarbeiter. Limousinen. Diskrete Trauerfeiern. Und unten drunter ein alter Gewölbekeller. BDSM-Club." Pause. Er ist irritiert. „Der Käufer meinte, dort würden Menschen absurd viel Geld zahlen. Für Sitzungen. Seancen. Schmerzrituale. Irgendwelche spirituellen Erfahrungen, während sie nackt ausgepeitscht werden."

„Und angeblich läuft der Laden erst seit ein paar Tagen wieder. Komplett neu eröffnet. Nur eine Betreiberin." Leises Umblättern. „Vittoria DeLuca. Die Leute kommen verändert wieder heraus. Nicht verstört. Eher… erlöst."

Vittoria DeLuca

Ein Besuch im Totenhaus offenbart später: Vittoria DeLuca ist ein Mitglied der Hecata. Durch nekromantische Rituale zieht sie aus Seancen, Schmerz und Erlösung, was sie braucht — Ressourcen und Blut. Köln hat ein neues Tor zwischen den Welten bekommen, und niemand hat es bemerkt.

VI. Kriegsrat im Triangle

MO 03.11. · 00:00. Alle wichtigen Vertreter der Fraktionen sind da, um Kriegsrat zu halten und zu überlegen, wie es weitergehen soll. Die Linien sind gezogen, die Gebiete verteilt — jetzt geht es um die ersten Schritte gegen den Sabbat.

Das Triangle bei Nacht — die Fraktionen versammeln sich

Zwischendurch kommt eine SMS von Roth. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie sich Kühnert mit Ravenna irgendwo auf dem Melatenfriedhof trifft und bespricht.

Kühnert trifft Ravenna auf dem Melatenfriedhof

Gefolgt von dem Hinweis, der den Raum kurz still werden lässt:

Herr Feldkamp, der Ex-Chef der Colonia, ist tot.