Kaum steckt der Pflock, sehen sie eine blonde Frau in engen Lederklamotten, stark tätowiert, zwischen den Mülltonnen verschwinden. Niemand hält sie auf. Niemand kommt hinterher.
Sie legen Philip mit in den Kofferraum zu den Überresten des Boten, rufen die Anarchen an, um Blutkonserven abzuholen, und fahren dann ins Triangle. Dort beraten sie lange, was zu tun sei, und versuchen anschließend, Philip zu überreden, ihnen zu helfen. Aber er will einfach nur Frieden und ist zu keiner Kooperation bereit. Eine gebrochene, wirre, wahnsinnige Seele. Also bietet man ihm an, ihn zu erlösen, wenn er noch ein paar Informationen preisgibt — er hat ohnehin nichts mehr zu verlieren.
Philips letzte Auskunft
Bevor der Frieden kommt
Er erklärt, wo das Rudel liegt und in welcher Gruft. Und dass sie hier waren, um Details zur Blutlinie von von Berg herauszufinden — damit Konrad seine Rache beenden kann.
Dann ist es an Erich, ihn mit dem Kölner Richtschwert zu erlösen — und wir sparen uns die Details zu diesem markerschütternden Gehacke. Erst im dritten Versuch gelingt es ihm, den Kopf komplett von den Schultern zu trennen. Die Schreie werden auf ewig im Spielzimmer des Prinzen im Triangle nachhallen.
Zwischendurch kommt von einer unbekannten Nummer eine weitere Signal-Nachricht — mit Bildern von Ravenna und der Kühnert — und dem Text:
„Ihr könnt ihn haben. Wir brauchen ihn nicht mehr."
Anschließend bittet Patrick Madame DeLuca um Hilfe, die sich um die Leichen kümmert. Philip löst sie auf, und die Überreste des Boten nimmt sie mit in ihr Kühlhaus. Wer weiß, was sie dort mit ihm anstellen wird.
Noch in derselben Nacht greift Erich zum Telefon und ruft Élise an. Er berichtet, was geschehen ist — dass das erste der Monster zur Strecke gebracht wurde.

Élise GarnierDüsseldorf · die Maskerade als Waffe
Man hört das Lächeln in ihrer Stimme. Élise ist sichtlich stolz — und noch während Erich spricht, beginnt sie bereits zu planen. „Das", sagt sie ruhig, „werde ich an der richtigen Stelle platzieren." Sie wird dafür sorgen, dass die Sache politisch wirksam erzählt wird: Die Herrschenden haben Wort gehalten. Das erste Monster ist erledigt. Und in Köln kehrt wieder Ruhe ein.
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Und so wird man es erzählen. In den Salons und Séparées, in geflüsterten Depeschen nach Paris und Berlin, in jenem samtenen Ton, mit dem die Ewigen ihre Legenden schmieden:
In dieser Nacht hielten die Herrschenden Wort.
Das erste der Monster fiel unter dem Kölner Richtschwert,
und über die geschundene Stadt senkte sich Ruhe wie Samt über eine offene Wunde.
Ein Sieg der Ordnung. Ein Sieg der Camarilla.
Geschrieben in Ehre, in Stahl, in unvergänglichem Ruhm.
So wird es klingen. Glanzvoll, aufrecht, würdig — ein Triumph, groß genug, um Throne darauf zu gründen und Treueschwüre daran zu schleifen. So wird man es hören, und so wird man es glauben wollen.
Nur die, die dabei standen, wissen es besser. Sie wissen, dass in den letzten Minuten vor Philips endgültiger Vernichtung kein Funken Pathos lag, keine Ehre, kein Ruhm. Nur ein zerbrochenes, bettelndes Wesen, das nichts mehr wollte als Frieden. Nur eine Klinge, die dreimal ansetzen musste, ehe sie ihr Werk vollendete. Nur Schreie, die sich in kein Heldenlied fügen — roh, nass, endlos — und die im Spielzimmer des Prinzen nachhallen werden, lange nachdem der letzte goldene Satz über diese glorreiche Nacht geschrieben ist.
Ruhm ist, was die Überlebenden erzählen.
Die Wahrheit bleibt bei denen, die die Schreie gehört haben.